noah sattler
Im dichten urbanen Gefüge des sogenannten „Bermudadreiecks“ in Bochum besetzt der neue adidas Flagshipstore eine bislang ungenutzte innerstädtische Baulücke. Die Intervention schafft nicht nur einen funktionalen Retailspace, sondern formuliert zugleich einen neuen stadträumlichen Akzent. Als bewusst gesetzte Landmarke agiert das Projekt als Gelenkpunkt zwischen Fußgängerfrequenz und Rückzugsraum. Der Baukörper gliedert sich in drei klar ablesbare Volumina, die durch einen skulptural ausgeformten, canyonartigen Erschließungsraum miteinander verbunden sind. Diese Zwischenräume erzeugen eine starke räumliche Spannung und fördern eine sequenzielle Wahrnehmung beim Durchschreiten des Ensembles. Es entsteht eine Dramaturgie von Verdichtung und Öffnung, von Licht und Schatten.
Die Fassadenstruktur besteht aus einem System austauschbarer textiler Membranen, die eine hohe transluzente Wirkung entfalten. Das Material übernimmt dabei nicht nur gestalterische, sondern auch kommunikative Funktionen: Es kann hinterleuchtet, bedruckt oder als Projektionsfläche für interaktive Inhalte genutzt werden. So wird die Gebäudehülle zur dynamischen Markenbühne und spiegelt die Identität von adidas nach außen – wandelbar, aufmerksamkeitsstark und medienwirksam. Im Inneren wird Architektur zur Bühne: Die räumliche Inszenierung folgt dem Prinzip eines immersiven Markenerlebnisses. Die differenzierte Höhenentwicklung, gezielte Sichtachsen und visuelle Durchdringungen erzeugen eine expressive Raumwirkung. Der Gang selbst wird zur räumlichen Choreografie, in der Materialität, Lichtführung und Bewegung in Dialog treten und eine emotionale Verbindung zwischen Besucher*innen und Marke schaffen.
Das räumliche Konzept folgt einem vertikal organisierten Nutzungsmix, der unterschiedliche atmosphärische Qualitäten miteinander verwebt. In den oberen Geschossen entstehen flexible Aktivitätszonen, die als Basketballcourt, Tischtennisbereich oder Sportbar bespielt werden können – hybride Orte zwischen Bewegung, Begegnung und Event. Die unteren Ebenen beherbergen dagegen repräsentative Showrooms sowie eine großzügige Verkaufsfläche, wodurch eine enge Verzahnung zwischen Markenerlebnis und funktionaler Nutzbarkeit entsteht.
Das offene Stahlskelett bildet die konstruktive Grundlage für ein Höchstmaß an räumlicher Variabilität. Es ermöglicht nicht nur eine flexible Ausgestaltung für die aktuelle Nutzung, sondern schafft zugleich ideale Voraussetzungen für zukünftige Umnutzungen. Diese strukturelle Offenheit macht das Gebäude langfristig adaptierbar und somit nachhaltig im besten Sinne. In Kombination mit der Möglichkeit des Einsatzes von grünem Stahl leistet das Tragwerk einen aktiven Beitrag zu Ressourcenschonung, Langlebigkeit und zukunftsfähigem Bauen.