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Emsinsel Warendorf

Unser Entwurf für die Emsinsel in Warendorf verwandelt das ehemalige industrielle Brachgelände in einen zukunftsfähigen Lebensraum – mit einem klaren Fokus auf Urban Mining. Vor Ort gewonnene Materialien wie Sheddächer, Stahlprofile, Wellblech und Mauerwerk werden rückgebaut und kreativ wiederverwendet, um die Identität des Ortes zu bewahren. Durch die Verlagerung des geplanten „Mobility Hubs“ an den östlichen Rand entsteht ein verkehrsberuhigter Raum mit hoher Aufenthaltsqualität. Das zentrale Bestandsgebäude, ursprünglich zum Abriss vorgesehen, wird als kulturelles Herz der Emsinsel neu gedacht: mit Kino, Dachbar, Gastronomie und einem biodiversitätsfördernden Gründach entsteht ein identitätsstiftender Ort im Quartier.

Emsinsel Kino
Kulturachse

Kulturachse

Das Konzept wird durch die Integration von Wohnnutzungen in die bestehende Struktur weiter ergänzt: Loftwohnungen, barrierefreie Wohngemeinschaften, eine Kindertagesstätte sowie ein Boardinghouse/Hotel schaffen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Die erweiterte Kulturachse fungiert als grüne Lebensader und setzt mit Hochbeeten aus recyceltem Mauerwerk ein starkes Zeichen für die Kreislaufwirtschaft. Das Projekt verbindet Urban Mining mit zukunftsorientierter Planung – und schafft so einen nachhaltigen, sozial durchmischten und ökologisch wertvollen Lebensraum. Im Zuge der Transformation wird die bestehende trapezförmige Metallfassade des Hotelgebäudes selektiv rückgebaut und im Sinne des Urban Mining weiterverwendet: als Sonnenschutzelement und Tragstruktur für extensive Fassadenbegrünung. Dies steigert nicht nur den ökologischen Mehrwert und verbessert das Mikroklima, sondern stärkt auch die architektonische Identität des Gebäudes. Das Gebäude folgt einem diversifizierten Wohnkonzept für unterschiedliche Nutzergruppen: von effizienten Mikroapartments für Kurzzeitaufenthalte über größere Hotelapartments bis hin zu barrierefreien Einheiten. So entsteht ein hochwertiger Wohnraum für alle – und soziale Nachhaltigkeit durch integrative Vielfalt.

Abbaubare Materialien

Der Kinosaal offenbart im Inneren das freigelegte Bestandstragwerk: Sichtbare Stahlbetonstützen und -träger prägen eine rohe, industrielle Ästhetik, die dem Raum Charakter und Tiefe verleiht. Diese offenliegende Struktur erzeugt ein Gefühl von Authentizität und Dauerhaftigkeit. Gleichzeitig wird die akustische Qualität des Raumes durch nachhaltige Dämmstoffe verbessert – für ein optimales Klangerlebnis. Das Gestaltungskonzept folgt konsequent den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft: Verwendet werden ausschließlich Materialien, die biologisch abbaubar, recycelbar oder wiederverwendbar sind. Der Lehmputz an den Wänden reguliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise und trägt zu einem gesunden Raumklima bei. Der Bodenbelag besteht aus einem textilen Teppich auf Baumwollbasis – komfortabel und vollständig biologisch abbaubar. Die abgehängte Decke aus rückgebautem Holz wirkt nicht nur schallabsorbierend, sondern verleiht dem Raum eine warme, natürliche Atmosphäre. Von der Konstruktion bis zur Oberfläche ist jedes Element auf Nachhaltigkeit ausgelegt – und schafft so einen Innenraum, der ökologische Verantwortung mit Nutzerkomfort vereint.

Kino Innenraum
Bar Außenbereich

Old becomes New

Im Rahmen der Umbaumaßnahmen wurden Teile der nichttragenden Außenwände des Bestandsgebäudes entfernt. Das Stahlbetonskelett wurde erhalten und bewusst freigelegt – es wird zum prägenden architektonischen Element. Das Tragwerk definiert die neue Raumstruktur und verleiht dem Ort eine starke, unverwechselbare Identität. Unter dem offenen Betonskelett entstand das „Café Domblick“ – eine hybride Nutzung aus Café und Dachbar mit direktem Blickbezug zum Warendorfer Dom. Vertikale Begrünung ergänzt das strenge Raster und schafft eine lebendige, atmosphärische Hülle. Das Gestaltungskonzept folgt dem Prinzip eines offenen Raumkontinuums: Auf massive Raumabschlüsse wird bewusst verzichtet, um ein fließendes Wechselspiel zwischen Innen und Außen zu ermöglichen. Das Café fungiert als sozialer Knotenpunkt – Treffpunkt für Kinobesucher*innen, Restaurantgäste und die breite Öffentlichkeit. Das Zusammenspiel aus Erhalt der Struktur, gezielter Freilegung und reduzierter Neuinterpretation bildet die Grundlage der neuen Nutzung und verankert das Projekt sensibel und präzise im städtischen Kontext.

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